Teilhaben!

Die (deutsche) Presse- und Medienlandschaft tritt seit Jahrzehnten auf der Stelle. Moment! Blogs und Onlinemagazine sprießen doch wie Pilze aus dem Boden?! Das ist zwar richtig, ändert aber nichts an der Gesamtsituation.

Blogs enthalten fast ausschließlich von Einzelpersonen geschriebene Meinungen und sind thematisch so vielfältig wie Flora und Fauna. Der wachsenden Zahl von Online-Magazinen haftet dagegen nicht der - auf den ersten Blick - als Makel empfundene Nachteil der Unprofessionalität an.

Beiden Formaten ist dabei genauso wie den Printmedien gemein, dass sie Zielgruppen mit jeweils gleichem Meinungs- und Stimmungsbild ansprechen. Wer konservativ eingestellt ist, weiß, in welchen Medien er in seiner Meinung bestärkt wird; liberale, linke, rechte und alle anderen ebenso. So entsteht ein sich selbst erhaltender Kreislauf aus Grundhaltung, Information und Bestätigung der eigenen Position.

Der neutrale und objektive Journalist ist ohnehin eine Figur aus der Märchenwelt. Man unterlässt die Berichterstattung bei Ereignissen, die den eigenen Auffassungen widersprechen, und interpretiert Informationen entsprechend der eigenen politischen und ideologischen Tendenz. Im ehrlichsten Fall wird das Zauberwort "Kommentar" vorangesetzt.

Doch welche Wirkung erzielt die Einzelmeinung in einem Kommentar oder einer Kolumne landläufig bei der Leserschaft? "In der Zeitung hat gestanden, dass..." Politiker lügen, klar. Banker und Unternehmer betrügen, auch klar. Und die Medien? Die berichten neutral und objektiv. Natürlich.

Journalisten und Redakteure erhalten täglich eine Fülle von Pressemitteilungen und Presseinformationen von Parteien, (Unternehmer-) Verbänden, Gewerkschaften, Vereinen, Stiftungen, Behörden und vielen anderen. Ergänzt durch deren Pressekonferenzen und gelegentlich eigene Recherchen, werden diese Informationen "verdichtet" veröffentlicht. Soweit die Theorie.

In ihren Pressemitteilungen und -informationen teilen die genannten Akteure ihre Meinungen, Erkenntnisse und Standpunkte der Presse in der Hoffnung mit, dass ein Redakteur die Angelegenheit für berichtenswert hält, seinen Chefredakteur von der Wichtigkeit überzeugen kann und dass kein anderes Großereignis bereits die verfügbare Anzahl Spalten und Seiten bzw. die Sendezeit füllt. Tausende Menschen beschäftigen sich allein in Deutschland tagtäglich mit nichts anderem, als ihre Meldungen zu lancieren.

Doch das geringe Zeitkontingent eines einzelnen Redakteurs begrenzt sowohl die Intensität von Informationsbeschaffung als auch die Anzahl an Ereignissen, über die berichtet wird.

"Verdichtung" ist ein weiteres Zauberwort. Es erlaubt, Informationen (oder sogar die Auffassung der Gegenseite) wegzulassen, die der Autor einer Pressemitteilung jedoch für so wichtig hielt, dass er sie in eben diese hineingeschrieben hatte.

Gern wird aus einem Stadtratskandidaten auch einmal die Landespartei gemacht; aus dem Wort "Molekül" wird ein "Atom", um Wortwiederholungen zu vermeiden oder weil die Spalte voll ist usw.

Information statt Meinungsmache

Regierung und Opposition, Arbeitgebervertreter und Gewerkschaften, Krankenkassen und Patientenvereinigungen, Kirchen und Konfessionsfreie äußern sich stets beide und naturgemäß unterschiedlich zu einem Thema. Die Aufgabe eines tatsächlich neutralen Presseorgans besteht nun darin, beide Auffassungen einander gegenüber zu stellen und es der interessierten Leserschaft zu überlassen, welcher Position sie sich anschließen möchte. Jedes Mehr, sei es Interpretation, Stellungnahme, Gewichtung oder Kommentar, ist nicht Information, sondern Meinungsmache.

Aus diesem Grund stellt Der Merkur die ihm zugehenden Informationen aus Politik, Wirtschaft, Recht, Kultur und Weltanschauung übersichtlich, frei von Wertungen und kostenfrei zur Verfügung.

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