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Universität Kassel

Universität Kassel erneut "Ausgewählter Ort im Land der Ideen": Mit künstlicher Arbeitshand wieder kräftig zupacken

27.09.2010 / 10:40. Menschen, die nach einem Unfall eine Hand verloren haben, zurück ins Arbeitsleben zu führen, ist Ziel des Projekts "Künstliche Arbeitshände". Prof. Dr.-Ing. Bernd Klein hat im Fachbereich Maschinenbau der Universität Kassel eine Handprothese entwickelt, die robuster, leichter und günstiger ist als alle bisherigen. Die künstliche Hand aus dem Fachgebiet Leichtbaukonstruktion soll auch handwerklich anspruchsvolle Arbeiten ermöglichen. Damit wird für die alternative Handprothese aus Kassel einer von 365 Preisträgern ausgezeichnet, die jedes Jahr von der Standortinitiative "Deutschland - Land der Ideen" und der Deutschen Bank unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten prämiert werden. Marco Soika von der Deutschen Bank in Frankfurt zeichnete heute den künstlichen Handersatz als "Ausgewählten Ort 2010" aus.


Die Idee dazu entstand, nachdem ein Mechaniker, der bei einem Motorradunfall seinen rechten Arm verloren und mit seiner selbst gebauten Ersatzhand Schwierigkeiten beim Arbeiten hatte, Prof. Klein wegen der Entwicklung einer besseren Handprothese ansprach. Eine Studentengruppe unter Leitung von Klein nahm sich der Thematik an und hat inzwischen eine technisch völlig neuartige künstliche Hand entwickelt.

Anlässlich der Preisverleihung betonte Marco Soica: "Die 'Künstliche Arbeitshand' ist eine Innovation, auf die viele Betroffene schon lange gewartet haben. Sie ermöglicht den Trä-gern, die Autonomie zu erlangen, mit der sie ihre Qualifikationen zum Einsatz bringen können und besticht dadurch, auch anspruchsvolle Arbeiten erledigen zu können."

Das Team aus Studenten und Mitarbeitern um Prof. Klein hat eine Handprothese entwickelt, die äußerst widerstandsfähig ist und sogar in staubigen oder öligen Umgebungen eingesetzt werden kann. Drei Finger und der Daumen erlauben es dem Träger zudem, nahezu jede wichtige Bewegung auch mit Kraft auszuführen. Das könnte beispielsweise für Schlosser und Monteure die Rückkehr in den alten Beruf bedeuten. Des Weiteren soll der Handersatz, der bereits als Prototyp vorliegt, leichter und billiger sein als heutige Modelle. Statt rund 20 000 Euro liegt der angestrebte Preis bei unter 300 Euro. "Es ist uns - vor allem den beteiligten Studenten - ganz wichtig, dass unsere künstliche Arbeitshand sehr preiswert herstellbar ist und damit auch in Kriegs- und Krisengebieten eingesetzt werden kann; wir arbeiten mittlerweile deshalb auch an Frauen- und Kinderhänden", so Prof. Klein. Die Prothese soll dabei auch Kriegsopfern in Krisengebieten zugute kommen. Unter anderem interessiert sich das Deutsche Rote Kreuz für die Neuentwicklung.

Durch eine sensorisierte, mechanische Prothese wurden die Funktionen einer menschlichen Hand nachgebildet. Drei Finger und ein verstellbarer Daumen ermöglichen es, alle Greifbewegungen in der Arbeitswelt mit Hilfe elastischer Übertragungsglieder auszuführen. Bewegungen des Oberkörpers steuern über einen Schultergurt die Arbeitshände. Da verschiedene Arbeitsbereiche unterschiedliche Anforderungen voraussetzen, entwickelt das Kasseler Team Prothesen für leichte und mittelschwere Tätigkeiten. Büro- sowie Werkstattarbeiten bis zu 15 Kilogramm Belastung können hiermit problemlos bewältigt werden.

Der Mechaniker testete die Prothese bereits. Seine Arbeit konnte er durch die mechanischen Prothesen weitestgehend ausführen. Geplant ist, die Arbeitshände in ein vereinfachtes und reparaturgerechtes Seriendesign zu überführen, so dass sie kostengünstig hergestellt und auch in Ländern der Dritten Welt eingesetzt werden können.

Die Universität Kassel war bereits mehrfach "Ausgewählter Ort" im "Land der Ideen", so im Jahr 2006 mit dem Hessen SolarCup und der innovativen Materialentwicklung und Konstruktion der Gärtnerplatzbrücke über die Fulda im Sommer 2007. Im gleichen Jahr gab es außerdem eine Auszeichnung für den von der Uni ausgerichteten Science-Bridge-Schülerkongress. Darüber hinaus wurde im Jahr 2009 das Mikrospiegelsystem "Smarte Spiegel" ausgezeichnet. Auch mit dem Projekt "Aktive Kopfstütze", ebenfalls von Prof. Dr.-Ing. Bernd Klein, war die Universität 2009 ein "Ausgewählter Ort".

Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: Universität Kassel.

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