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Evangelische Landeskirche in Baden
Toleranz als Erfolgsgeheimnis
02.06.2010 / 09:55. Die abwechslungsreiche badische Landschaft mit ihren Hügeln und Flüsschen hat es der Besuchergruppe aus den USA angetan: Sichtlich begeistert schwärmen die sieben ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der United Church of Christ (UCC) in Kansas-Oklahoma, einer Schwesterkirche der badischen Landeskirche, bei ihrer Stippvisite im Evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe von den Eindrücken, die sie während der vergangenen Tage gesammelt haben.Auf dem Programm standen bisher Baden-Baden, Freiburg, Maulbronn und Rastatt. „Es gibt hier viel weniger Armut als bei uns“, bemerkt Becky Dickinson, und ihr Mann Dick ergänzt: „Stattdessen überall blühende Wiesen und Gärten.“ Das Ehepaar Harbert ist am meisten von den geschichtsträchtigen Gebäuden beeindruckt, „die zum Teil schon standen, als unser Land noch gar nicht von den Europäern entdeckt war“. Und Maxine und David Radenberg fiel in erster Linie die Freundlichkeit der Menschen auf, „die total hilfsbereit waren, wenn sie gemerkt haben, dass wir kaum Deutsch sprechen“.
In der UCC ist jeder willkommen …
… Menschen verschiedenen Glaubens und unterschiedlicher Lebensformen. Das Motto der UCC lautet: „Wer auch immer du sein magst, und wo du dich auch auf deinem Lebensweg gerade befindest – du bist willkommen!“
Die sieben US-Amerikaner sind fast alle zum ersten Mal in Deutschland. Dick Dickinson ist Pfarrer im Ruhestand und seit seiner Jugend aktiver Bürgerrechtler, die Radenbergs sind Farmer, Jim Bass arbeitet als Bildhauer und die Harberts engagieren sich im Katastrophenschutz. Sie alle sind stolz darauf, Mitglieder der UCC zu sein, einer Union von einigen der ältesten protestantischen Kirchen in den USA, darunter Kirchen, die von aus Europa stammenden Christen gegründet worden waren. Dieser Reichtum an Wurzeln ist mit dafür verantwortlich, dass in der UCC ein überdurchschnittlich starkes Bewusstsein für Gewissensfreiheit und die Autonomie der einzelnen Gemeinden herrscht. Paula Harbert und Becky Dickinson deklamieren ehrfurchtsvoll (und laut kichernd – als ihr Gedächtnis sie plötzlich im Stich lässt) die „Verfassung“ der UCC: Die Mitglieder sehen sich in der Nachfolge Christi im Dienst für die gesamte Menschheit, sie setzen sich für die Glaubensfreiheit eines jeden Einzelnen ein und helfen denen, die in Not sind.
Diese Grundsätze sind das Erfolgsprinzip der UCC, deren Mitgliederzahl zwar langsam, aber stetig wächst. Immer mehr Menschen – darunter amerikanische Ureinwohner, Afroamerikaner, Katholiken und sogar Buddhisten – treten in die UCC ein. „Unser Grundsatz des Willkommen-Heißens gilt aber nicht nur für die Menschen – egal, welchen Alters oder welcher Hautfarbe –, sondern besonders für Ideen und Lebenseinstellungen“, erklärt Paula Harbert. So hat sich beispielsweise die Generalsynode der UCC am 4. Juli 2005 als erste größere Kirche in den USA dafür ausgesprochen, dass gleichgeschlechtliche Paare das Recht zu heiraten erhalten sollten.
„Mein bester Freund wurde vor meinen Augen erschossen“
Dem „Dienst an der Menschheit“ kommt die UCC nicht mit eigenen Hilfsorganisationen nach, sondern indem sie anderen Einrichtungen mit Geldspenden oder persönlichem Engagement unter die Arme greift. Terry Harbert etwa war schon nach zahlreichen verheerenden Sturmkatastrophen für den Wiederaufbau zerstörter Wohnhäuser durch die „Christian Contractors“ – eine bauunternehmerische Hilfsorganisation – im Einsatz. Becky Dickinson sitzt im Vorstand des Brewster Place, eines renommierten Altenheims in Topeka, das von der UCC-Gemeinde vor Ort unterstützt und mitgetragen wird.
Auch für die Menschenrechte hat sich die UCC schon immer stark gemacht – häufig gemeinsam mit anderen Kirchen. Dick Dickinson erinnert sich an gemeinsame Aufmärsche in den 1960er Jahren, als Mitglieder der UCC, der Katholischen, der Methodistischen und der Episkopalischen Kirche gemeinsam friedlich gegen die Rassentrennung demonstrierten. „Mein bester Freund, ein Episkopaler, wurde bei einem solchen Marsch von einem Ladenbesitzer erschossen, den der Tumult gestört hatte“, erzählt Dickinson sichtlich bewegt. Der Täter wurde damals vor Gericht freigesprochen.
Ganz anders gestaltet sich das Engagement der Radenbergs. In ihrer sehr ländlichen Gemeinde sind vor allem zerrüttete Familien und die Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher ein Problem. Die Mitarbeiter der UCC helfen im Stillen: Sie spenden Trost und Lebensberatung und organisieren College-Stipendien – denn der Besuch einer weiterführenden Schule ist in den USA häufig enorm teuer.
Von der Landeskirche inspiriert
Den Besuch bei der Evangelischen Landeskirche in Baden empfinden die sieben UCC-Mitglieder als „eine ganz wundervolle Möglichkeit des gegenseitigen Austauschs“, wie es Dick Dickinson und David Radenberg zusammenfassen. Mit Blick auf die sinkende Zahl der Protestanten weltweit sei die Pflege internationaler Kontakte umso wichtiger. Jim Bass, der den zweiten Weltkrieg miterlebt hat, hat hier erstmals erfahren, dass es auch innerhalb der Landeskirche Badens eine Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus gegeben hat: „Das hat mich sehr glücklich gemacht.“
Und das Ehepaar Harbert hat nach seinem Baden-Besuch viele Ideen im Gepäck: „Die Vernetzung innerhalb der Badischen Landeskirche hat uns total beeindruckt“, schwärmen sie. Dies und auch die Einrichtung eines ökumenischen Gemeindezentrums wollen sie am liebsten auch in ihrer UCC-Heimatgemeinde in Topeka verwirklichen. (jkm)
Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: Evangelische Landeskirche in Baden.

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