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Religion im modernen Staat
21.06.2010 / 16:37. In seinen Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften befasste sich der Wissenschaftsrat erstmals eingehend mit der Religionswissenschaft. Professor Dr. Christoph Bochinger von der Universität Bayreuth, Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft, nahm im Rahmen des Kongresses "Vielfalt der Religionen, Theologie im Plural" des Wissenschaftsrates in Berlin zu diesen Empfehlungen Stellung.Wie Bochinger dabei hervorhob, bedeutet religiöse Vielfalt keineswegs, dass alle Menschen in der Gesellschaft religiös seien. Tatsächlich ist die Zahl der Religionslosen in Deutschland fast so groß wie die der evangelischen oder katholischen Christen. "Schon deshalb lässt sich die religiöse Vielfalt der Gegenwart nicht allein durch eine Pluralisierung der Theologien auffangen", so Bochinger. Die Religionsthematik müsse auch von säkularen Fächern wie Religionswissenschaft, Islamwissenschaft oder Judaistik wissenschaftlich bearbeitet werden, um die Menschen in der Gesellschaft, ob sie religiös sind oder nicht, für ein Zusammenleben in religiöser Vielfalt kompetent zu machen.
Bochinger hält die Empfehlung des Wissenschaftsrats für zukunftsweisend, die Religionswissenschaft an einigen Standorten zu größeren Zentren auszubauen. Er betonte zugleich, dass auch viele der derzeit kleinen Standorte in ihren Universitäten wichtige interdisziplinäre Dienstleistungen für andere Fächer erbringen. Dazu zählen etwa Regionalwissenschaften wie Asien- oder Afrikawissenschaften, Alte Geschichte und Altphilologie und viele andere Kulturwissenschaften, aber auch die christlichen Theologien.
Entgegen den Empfehlungen des Wissenschaftsrats hält Bochinger einen Verbleib religionswissenschaftlicher Lehrstühle in theologischen Fakultäten dann für denkbar, wenn die bestehenden konfessionellen Einschränkungen bei Berufungsverfahren für diese Lehrstühle aufgehoben werden. Der Vortrag von Professor Dr. Christoph Bochinger findet sich auf Webseite des Lehrstuhls Religionswissenschaft II unter www.relwiss2.uni-bayreuth.de
Der Wissenschaftsrat ist eines der wichtigsten wissenschaftspolitischen Beratungsgremien in Deutschland. Er berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in allen Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Wissenschaft, der Forschung und des Hochschulbereichs.Daneben gehört es zu seinen Aufgaben, zur Sicherung der internationalen Konkurrenzfähigkeit der Wissenschaft in Deutschland im nationalen und europäischen Wissenschaftssystem beizutragen. Der Wissenschaftsrat gibt Empfehlungen und Stellungnahmen im Wesentlichen zu zwei Aufgabenfeldern der Wissenschaftspolitik ab, nämlich zu
* den wissenschaftlichen Institutionen (Universitäten, Fachhochschulen
und außeruniversitären Forschungseinrichtungen), insbesondere zu
ihrer Struktur und Leistungsfähigkeit, Entwicklung und Finanzierung, * übergreifenden Fragen des Wissenschaftssystems, zu ausgewählten
Strukturaspekten von Forschung und Lehre sowie zur Planung, Bewertung
und Steuerung einzelner Bereiche und Fachgebiete.
Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: Universität Bayreuth.

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