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Evangelische Landeskirche in Württemberg

Projektpfarramt zum Jahr des Gottesdienstes eingerichtet

28.05.2010 / 11:23. Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat 2012 zum "Jahr des Gottesdienstes" erklärt. Einrichtungen und Werke der Landeskirche sowie die Evangelisch-theologische Fakultät der Universität Tübingen sollen zusammenwirken, um Kirchengemeinden dabei zu unterstützen, Gottesdienste bewusster und ansprechend zu gestalten. Es geht auch darum, herauszufinden, welche Gottesdienstformen gut und welche weniger gut bei den verschiedenen Zielgruppen ankommen.


Zur Koordination der Aktivitäten wurde eine Projektpfarrerstelle eingerichtet, die voraussichtlich ab September dieses Jahres der Württemberger Pfarrer Christoph Schweikle bekleiden wird. Schweikle ist 48 Jahre alt und stammt aus Freudenstadt. Er war Pfarrvikar am Stift Urach. Während der Vorbereitung auf den Pfarrdienst studierte Christoph Schweikle drei Semester an der Hochschule für Kirchenmusik Esslingen. Anschließend war er Pfarrer in Benningen am Neckar. Seit 2002 ist er von der Evangelischen Kirche in Deutschland entsandter Pfarrer in Mittelamerika für Guatemala und El Salvador. Er lebt in Guatemala-Stadt, ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern.

Fragen zum geplanten "Jahr des Gottesdienstes" an Christoph Schweikle, Pfarrer und bald Inhaber der Projektstelle "Jahr des Gottesdienstes":

Was sind Gründe für Sie, nicht in den Gottesdienst am Sonntagmorgen zu gehen? Der absolut einzige Grund für mich ist, wenn kein Gottesdienst erreichbar ist, etwa bei einer Dschungelwanderung oder Bergtour. Im Urlaub fanden meine Kinder es zuweilen etwas anstrengend, sich Sonntagmorgens auf die Suche nach einer Kirche zu machen, danach waren sie aber meist zufrieden über eine neue Erfahrung. An welchen besonderen Moment in einem Gottesdienst erinnern Sie sich? An jede Menge besondere Momente, von denen viele mit Musik zu tun haben. Besonders ragt das Abendmahl heraus mit dem Friedensgruß.

Wie viele Menschen kommen zu Ihren Gottesdiensten im Durchschnitt? Und wie viele Besucher wünschen Sie sich? In Guatemala etwa 35, (an Ostern 100, am Heiligen Abend um die 300) was bei 200 Gemeindemitgliedern schon ganz befriedigend ist. In San Salvador sind es 30 bis 40 der 50 Gemeindemitglieder bei den zweimonatlichen Gottesdiensten. Wünschen würde ich mir mehr Beteiligung von Familien mit Kindern, die sind aber oft das ganze Wochenende unterwegs.

Gemeinden sollen " in ihren Bemühungen um ansprechende Gottesdienste" unterstützt werden, heißt es in einem Antrag der Synode zum Jahr des Gottesdienstes, was ist für Sie ein "ansprechender Gottesdienst"? Zunächst ein Gottesdienst, der die Menschen buchstäblich anspricht, der also nicht nur "nach dem Buch" abgespult wird, der aber andererseits auch keine Show ist, bei der man hauptsächlich in die Zuschauerrolle versetzt wird. Ich glaube, dass eine stimmige Vermittlung von Gewohntem und Überraschendem anspricht, sowie ein Ernstnehmen der verschiedenen Befindlichkeiten, geistlichen Standorte und kulturellen Stile der Mitfeiernden. Im tiefsten spricht ein Gottesdienst an, bei dem Menschen Gott begegnen und seinen Geist spüren können.

Das Zentrum für evangelische Predigtkultur will Pfarrerinnen und Pfarrer schulen, kreativer zu werden beim Predigen. Sind langweilige Predigten der Hauptgrund für schwindende Besucherzahlen in den Sonntagsgottesdiensten? In der evangelischen Kirche sind die Erwartungen an die Predigt hoch - zu Recht. Ich erlebe öfter, dass Kollegen und Kolleginnen sich dadurch unter Druck gesetzt fühlen, was sich unter anderem in "langweiligen", verkrampften und unverfänglich-glatten Predigten niederschlägt. Ansprechendes Predigen hängt weniger von rhetorischen Fähigkeiten ab als vom Mut der Predigenden, Menschen geistlich nähren und führen zu wollen. Übrigens: Wer mit der Predigt unzufrieden ist, sucht eher einen anderen Gottesdienst, als dass er ganz weg bleibt. Die schwindende Akzeptanz des Sonntagsgottesdienstes sehe ich mehr in einer wachsenden Fremdheit gegenüber der Liturgie begründet, die Schwellenängste auslöst. Vielfach wird der Gottesdienst auch als eine offiziöse Pflichtveranstaltung wahrgenommen und nicht als ein lebendiges Begegnungsgeschehen und ein lebenseröffnendes Fenster im Alltag.

Was kann uns ein "Jahr des Gottesdienstes" bringen? Das Jahr des Gottesdienstes will den Gottesdienst ins Gespräch bringen, unter den Akteuren wie unter den Gemeindegliedern. Es will entkrampfen und ermutigen, einladen und neue Erfahrungen vermitteln durch Bewusstseinsbildung, verbesserte Kommunikation unter den Beteiligten und eine offene Rückmeldekultur. Es will die Erkennbarkeit von Gottesdiensten fördern, indem es die liturgische Tradition würdigt und zugleich aufzeigen, welche kreativen Spielräume darin eröffnet werden. Der Gottesdienst steckt voller Anknüpfungspunkte und Chancen, gerade für Menschen unserer Zeit. Diese gemeinsam aufzusuchen und auszuloten wird neue Freude am Gottesdienst wecken, da bin ich total zuversichtlich.

Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: Evangelische Landeskirche in Württemberg.

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