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Plädoyer gegen die Ruhrstadt: RUB-Experte gibt Empfehlungen auf Basis eines Gutachtens
28.05.2010 / 12:35. Soll das Ruhrgebiet zu einer einzigen großen Verwaltungseinheit werden? An dieser Frage scheiden sich die Geister, die Debatte ist emotional. In einem Gutachten im Auftrag der Westfalen-Initiative kommt der RUB-Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Jörg Bogumil (Lehrstuhl Politikwissenschaft / Öffentliche Verwaltung, Stadt- und Regionalpolitik) zu dem Schluss, dass das Ruhrgebiet von einem Ausbau interkommunaler Kooperation mehr profitieren würde als von der Bildung der Ruhrstadt oder eines Regierungsbezirkes Ruhr. Bogumil empfiehlt der nächsten Landesregierung interkommunale Kooperationen im Ruhrgebiet anzustoßen und zu fördern, auch vor dem Hintergrund der schlechten kommunalen Finanzlage. Zunächst sollte jedoch eine empirische Bestandsaufnahme der bisherigen Erfahrungen mit interkommunaler Kooperation in wichtigen regionalen Politikfeldern wie ÖPNV, Regionalplanung, Kulturförderung, regionaler Wirtschaftsförderung und Tourismusmanagement erfolgen. Das Gutachten finden Sie zum Herunterladen im Internet unter www.sowi.rub.de/regionalpolitikKein homogener Raum
Die Forderung nach der Gründung einer Ruhrstadt wird immer wieder laut. Jörg Bogumil hält davon nicht viel: Das Ruhrgebiet sei kein homogener Raum, sondern ein polyzentrisches, vielschichtig miteinander verwobenes Raumgefüge, argumentiert er. "Die Idee der Ruhrstadt setzt auf Abschottung nach außen und ignoriert die positiven Vernetzungseffekte mit den prosperierenden Umlandregionen." Verflechtungen bestehen westlich der Mitte mit Düsseldorf, östlich strahle Dortmund ins Sauerland aus. Im Hinblick auf den territorialen Zuschnitt der Verwaltung sieht der Regionalforscher daher keinen weiteren Veränderungsbedarf.
Zusammenarbeit nach Bestandsaufnahme
Es gebe aber einen erheblichen Bedarf zur verstärkten Zusammenarbeit zwischen den Kommunen. "Bevor hier Optimierungen vorgenommen werden, wäre jedoch eine kritische Bestandsaufnahme notwendig", so Prof. Bogumil. "Es fehlt an aktuellen empirischen Untersuchungen über die Erfahrungen, Möglichkeiten und Grenzen kommunaler Kooperationen im Ruhrgebiet bezogen auf wichtige regionale Politikfelder wie ÖPNV, Regionalplanung, regionale Wirtschaftsförderung, regionales Tourismusmanagement oder Kulturförderung (jenseits der Kulturhauptstadt) oder die Zusammenarbeit von Berufsschulen." Ermutigende Signale sieht der Experte zum Beispiel im Kulturhauptstadtjahr. "Zudem könnten die Kommunen von der Vorgehensweise der Universitäten im Ruhrgebiet lernen, die zwar jede ihr eigenes Profil entwickeln, aber dies weitgehend miteinander abstimmen und auf dieser Grundlage dennoch vielfältig miteinander kooperieren."
Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: RUB Ruhr-Universität Bochum.

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