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Landesverband Baden-Württemberg des Naturschutzbundes Deutschland

NABU fordert Wende in der Agrarpolitik

29.09.2010 / 15:03. Baumann: 56 Milliarden Euro brauchen einen gesellschaftlichen Gegenwert / EU-Ziele zur Biologischen Vielfalt nur durch Neuausrichtung der Landwirtschaft erreichbar

Stuttgart – Der NABU Baden-Württemberg fordert Land und EU auf, die Landwirtschaftsförderung weitaus stärker als bislang am Nachhaltigkeitsgedanken auszurichten. Die Neugestaltung der „Gemeinsamen Agrarpolitik“ der EU ab 2013 biete hierzu die Möglichkeit. „Es ist ein Skandal, dass die EU – und damit der Steuerzahler – jedes Jahr über 50 Milliarden Euro ausgibt und dafür keine adäquate Leistung erhält“, kritisiert der NABU-Landesvorsitzende Dr. Andre Baumann am Rande der Tagung „Zukunftsforum 2. Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik“ am heutigen Mittwoch in Stuttgart.


Der NABU fordert, dass landwirtschaftliche Förderungen an Nachhaltigkeitsstandards geknüpft werden. Die Divise lautet: Öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen. „Wer hochwertige Lebensmittel produziert und dabei Wasser, Luft und Boden sauber und gesund hält, muss gefördert werden – anstelle derer, die lebensfeindliche Agrarwüsten fabrizieren, in denen Pflanzen, Tiere und Menschen keine Heimat finden“, sagt der NABU-Agrarreferent Matthias Strobl. „Wir wollen, dass die Leistung der vielen Bauern, die nachhaltig und naturverträglich wirtschaften, endlich auch monetär gewürdigt wird.“

Bleibe die Wende in der Agrarförderpolitik aus, seien auch die Ziele der EU zum Schutz der Biologischen Vielfalt nicht zu erreichen. „Wer die Artenvielfalt erhalten möchte, muss die Landwirtschaftspolitik ändern“, sagt NABU-Experte Strobl. „Viele Bauern zeigen heute bereits: Naturverträgliche Landwirtschaft ist möglich, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Wir fordern die Politik auf, den Rahmen so zu stecken, dass unsere Bauern auf mindestens zehn Prozent ihrer Fläche der Natur Vorrang einräumen können. Unser Ziel ist es, dass jeder Betrieb zehn Prozent ‚Ökologische Vorrangfläche’ bewirtschaftet.“

Hintergrund Die Agrarförderpolitik der EU baut derzeit auf zwei Säulen: In die „Erste Säule“ fließen rund 80 Prozent der Mittel. Daraus speisen sich Direktzahlungen an Landwirte, die lediglich abhängig sind von der Größe der bewirtschafteten Fläche. Die Standards, die der Landwirt dafür einhalten muss („Cross Compliance“), kritisiert der NABU als viel zu niedrig. Mit der „Zweiten Säule“ finanziert die EU unter anderem Agrar-Umweltprogramme. Der NABU kritisiert, dass in die Zweite Säule und insbesondere in die Umweltprogramme nur ein viel zu kleiner Bruchteil der Gelder fließt – und der große Rest Maßnahmen finanziert, die einer nachhaltigen Landwirtschaft mitunter entgegenstehen.

Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: Landesverband Baden-Württemberg des Naturschutzbundes Deutschland.

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