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Sächsische Staatskanzlei

Ministerpräsident Tillich überreicht Bundesverdienstorden

12.03.2010 / 15:39. Ministerpräsident Stanislaw Tillich überreicht am 16. März 2010 sächsischen Bürgerinnen und Bürgern den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Mit dieser Auszeichnung ehrt der Bundespräsident Menschen, die sich in Politik, Wirtschaft und Kultur um das Gemeinwohl verdient gemacht haben.


Die Geehrten im Einzelnen sind:

Ilse Prescher, Arnsdorf, OT Fischbach

Sie war von 1972 bis 1999 Bürgermeisterin der Gemeinde Fischbach. Insbesondere in der DDR hat sie trotz schwieriger ökonomischer und politischer Bedingungen die Entwicklung des Dorfes entscheidend vorangetrieben. Sie sorgte für heutige Selbstverständlichkeiten wie Straßenbeleuchtung, ein Feuerwehrhaus oder eine Wäschemangel. Politische Gemeinde und evangelische Kirchengemeinde arbeiteten unter ihrer Führung eng zusammen, etwa bei der Renovierung der Kirche. Seit ihrem Ruhestand kümmert sie sich um die Senioren des Dorfes, organisiert Ausflüge und Veranstaltungen und überbringt den Jubilaren die Glückwünsche der Gemeinde.
Ilse Prescher wird das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Helga Seidl, Reichenbach

Sie engagierte sich mehr als vierzig Jahre lang im Helferkreis der katholischen Pfarrei St. Marien in Reichenbach/Vogtland in der Arbeit mit Senioren, Behinderten und psychisch Kranken. Dazu gehörten Hausbesuche, die Organisation von Veranstaltungen und Freizeiten, Hilfe bei Behörden- und Versicherungsangelegenheiten sowie die spezielle Betreuung pflegebedürftiger Senioren. Hinzu kam nach der Wende die Betreuung von Aussiedlern. Sie war ehrenamtlich in zahlreichen Gremien der kommunalen Jugendsozial- und Seniorenarbeit im Vogtlandkreis sowie als Patientenfürsprecherin im Sächsischen Krankenhaus für Psychiatrie und Neurologie in Rodewisch tätig. Helga Seidl wird die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Ingrid und Gottfried Wallrabe, Coswig

Edith Wallrabe hat, unterstützt durch ihren Ehemann, sowohl ihren kranken Schwiegervater als auch ihre krebskranke Schwiegermutter über einen langen Zeitraum gepflegt. Nach dem Tod des Schwiegervaters erlitt ihre Tochter einen Gehirnschlag und wurde zum Pflegefall. Das Ehepaar Wallrabe hat sieben Jahre lang die Pflege bis zum Tod der Tochter geleistet und zusätzlich die Erziehung der Enkeltochter übernommen, die das Abitur im Jahr 2007 ablegte. Dafür hat Gottfried Wallrabe sein kommunalpolitisches Engagement im Stadtrat von Coswig zurückgestellt, wo er sich von 1990 bis 2004 insbesondere für eine behutsame Stadtentwicklung, Wirtschaft und Umweltschutz eingesetzt hatte.
Ingrid und Gottfried Wallrabe wird das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Rolf Hoppe, Dresden

Jahrzehntelang hat er als Schauspieler mit seinen Theater- und Filmrollen über die engen Grenzen der DDR hinweg national und international große Bekanntheit und Anerkennung gefunden. Auch heute noch steht er im hohen Alter immer wieder vor der Kamera. Zugleich setzt er sich für das Theater ein. In Dresden-Weißig hat er aus eigenen Mitteln einen Bauernhof erworben und darin das „Hoftheater Dresden“ eingerichtet. Gerne tritt er dort auch selbst auf. Als Mitbegründer ist Rolf Hoppe dem Theater „Schloss Weesenstein“ sehr eng verbunden und veranstaltet dort Lesungen aller Art. Als der Barockgarten von Schloss Weesenstein 2002 durch die Jahrhundertflut schwer verwüstet wurde, sammelte er Spenden und wirkte im Kuratorium Jahrhundertflut mit.
Rolf Hoppe wird das Verdienstkreuz erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Klaus-Heinrich Zürner, Leipzig (Er kann diese Auszeichnung leider nicht persönlich entgegennehmen, stellvertretend werden seine Tochter und sein Sohn anwesend sein.)

Er war selbst freischaffender Künstler und von 1960 bis 1990 ehrenamtlich künstlerischer Berater der Galerie „Wort und Werk“ in Leipzig. Er unterstützte regimekritische, zum Teil mit Ausstellungsverbot belegte Künstler darin, ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren. Daneben bemühte er sich jahrzehntelang ehrenamtlich um die Verbesserung der Lebens- und Arbeitssituation von Künstlern etwa durch geeignete Atelierräume und eine Altersversorgung. Klaus-Heinrich Zürner galt deshalb in der DDR weit über Leipzig hinaus als Anwalt und Ratgeber der freischaffenden Künstler. Nach der Wiedervereinigung brachte er seine jahrzehntelange Erfahrung als einziges ostdeutsches Mitglied in den Sozialbeirat der Urheberrechtsgesellschaft Bild-Wort in Bonn ein.
Klaus-Heinrich Zürner wird das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Hermann Winkler, München

Der gebürtige Dresdner kümmerte sich jahrzehntelang um Übersiedler und Flüchtlinge, die aus der DDR in die Bundesrepublik kamen und half ihnen beim Neuanfang. Zugleich unterstützte er viele Menschen in seiner sächsischen Heimat. Außerdem sorgte er als ehemaliger Kruzianer dafür, dass Kreuzkirchenkantor Rudolf Mauersberger anlässlich seines 100. Geburtstages im Jahr 1989 auch in Westdeutschland durch öffentliche Aufführungen und einen Rundfunkgottesdienst gewürdigt wurde. 1992 gründete er den Förderverein Dresdner Kreuzchor mit. In den 1990er Jahren setzte er sich von München aus mit Freundeskreisen für den Wiederaufbau der barocken Kirche in Dresden-Loschwitz sowie der Frauenkirche ein. Bis heute unterstützt er die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden e.V. Hermann Winkler wird das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Siegfried Bauer, Markkleeberg

Er ist seit mehr als einem halben Jahrhundert aktiver Turner und zugleich Übungsleiter, Kampfrichter und Lehrwart. Er hat sich insbesondere seit 1990 erfolgreich dafür eingesetzt, junge Menschen für den Turnsport zu begeistern und Sponsorengelder einzuwerben. Mit dem Sportaustausch zwischen Kindern und Jugendlichen der Turnvereine Markkleeberg 1871 und Eintracht Glauberg leistete er einen wertvollen Beitrag zum Zusammenwachsen zwischen Ost und West. Zugleich ist er seit Jahren ein Förderer des Seniorenturnens. Auf seine Initiative hin finden die Deutschen Meisterschaften im Seniorenturnen seit dem Jahr 2000 jährlich statt. Als Turner ist er vielen Senioren selbst Vorbild und stellt auch im hohen Alter seine Leistungsfähigkeit bei Wettkämpfen regelmäßig unter Beweis. Siegfried Bauer wird das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Bruno Schliefke, Leipzig

Er war maßgeblicher Initiator des Aufbaus einer freien Handwerksorganisation in Ostdeutschland. Er gründete bereits 1989 den Landesverband Sanitär, Heizung, Klima (SHK) Sachsen, dem er als Landesinnungsmeister von 1990 bis 2001 vorstand. Er hat die ostdeutschen SHK-Innungsverbände in die Wiedervereinigung mit den westdeutschen Verbänden geführt und ihre Interessen als Vorstandsmitglied wirksam vertreten. Von 2001 bis 2009 war er zudem Präsident des Zentralverbandes Sanitär, Heizung und Klima. Er hat sich dabei erfolgreich für die Stärkung der Handwerker-Selbstverwaltung, eine Modernisierung der Ausbildung und die Durchsetzung neuer Technologien wie der Photovoltaik eingesetzt.
Bruno Schliefke wird das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Frank Mädler, Oberlungwitz

Selbst infolge von Kehlkopfkrebs behindert, widmet er sich seit 1989 aktiv der Betreuung der Kehlkopflosen und der ehrenamtlichen Arbeit im Verband der Kehlkopflosen auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene. Von 2003 bis 2006 vertrat er als Präsident des Bundesverbandes der Kehlkopflosen und Kehlkopfoperierten und seit 2006 als Präsident der Europäischen Konföderation der Laryngektomierten die Interessen der Kehlkopflosen. Er organisierte und begleitete zahlreiche Hilfskonvois nach Kroatien und Bosnien, um dort Behinderte und insbesondere Kehlkopflose zu unterstützen. Daneben war er ehrenamtlicher Richter am Sächsischen Landessozialgericht und Mitglied im Bewilligungsausschuss des Landesamtes für Familie und Soziales. Frank Mädler wird das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Roland Fritzsch, Crottendorf

Seit 13 Jahren engagiert er sich in der Suchtkrankenhilfe. Gemeinsam mit der Evangelischmethodistischen Kirche und dem von ihm gegründeten Verein „Kommt…“ Suchtkrankenhilfe Crottendorf e.V. ist es ihm gelungen, ein umfangreiches Netzwerk im Bereich des oberen Erzgebirges aufzubauen. Schulen, Krankenhäuser, Fachkliniken, die Arge im Landkreis Annaberg und mehrere Kirchgemeinden sind einbezogen worden. Neben der Arbeit mit Suchtkranken widmet er sich besonders der Prävention. Im Projekt „Wege in die Sucht – Wege aus der Sucht“ erhalten Schüler Kontakt mit Betroffenen und Therapeuten und lernen so die Gefahr von Drogen kennen. Als Mitglied im Gemeinderat kümmert er sich zudem um kommunalpolitische Belange. Roland Fritzsch wird die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Christian Walter, Porschdorf, und Markus Walter, Meißen

Nach dem schweren Erdbeben in Pakistan im Herbst 2005 haben die engagierten Alpinisten einen Spendenaufruf gestartet, um den Erdbebenopfern zu helfen. Christian Walter reiste mit einem erfahrenen Bergwachtmann in das Erdbebengebiet, errichtete einen provisorischen medizinischen Stützpunkt, versorgte Verletzte und organisierte den Transport von schwerstverletzten Patienten in Krankenhäuser nicht betroffener Landesteile.
Sein Bruder Markus sammelte zu Hause Spenden. Bereits nach wenigen Tagen konnten ein Arzt und ein Rettungsassistent in die Erdbebenregion geschickt werden. Mit Spenden konnten auch Hilfsgüter für den bevorstehenden Winter gekauft und in den Folgejahren eine Grund- und eine Mittelschule wieder aufgebaut werden.
Christian und Markus Walter wird die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Erwin Heretsch, Schirgiswalde (Er kann den Orden leider nicht persönlich in der Staatskanzlei entgegennehmen. Er wird ihm am gleichen Tag durch den Bürgermeister der Stadt Schirgiswalde überreicht.)

Als Pädagoge, Katechet und Seelsorger hat er im Bistum Meißen mehr als vier Jahrzehnte lang ehrenamtlich und hauptberuflich die katholische Jugend-, Männer- und Familienarbeit geprägt. Nach seiner Entlassung aus dem staatlichen Schuldienst der DDR war er in der katholischen Gemeinde Schirgiswalde als Religionslehrer angestellt. Er hat sich durch eine Vielzahl von Kursen zum Ehe-, Familien- und Lebensberater weitergebildet, das katholische Ehe- und Familienberatungssystem in der DDR mit aufgebaut und nebenher eine rege Vortragstätigkeit entwickelt, die ihn bis nach Mecklenburg führte. Im Ruhestand war er weiterhin als Gefängnisseelsorger in der Dresdner Untersuchungshaftanstalt und als Vortragender tätig.
Erwin Heretsch wird das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Gerda Riemer, Coswig (Sie kann den Orden leider nicht persönlich in der Staatskanzlei entgegennehmen. Er wird ihr am gleichen Tag durch den Oberbürgermeister der Stadt Coswig überreicht.)

Über 42 Jahre pflegt sie ihren an fortschreitender Multipler Sklerose erkrankten Mann. Sie hat dafür ihre Arbeitsstelle als Industriekauffrau aufgegeben und alle persönlichen Belange hinter die Pflege ihres Mannes zurückgestellt. Seit Gründung der Multiple-Sklerose-Selbsthilfegruppe Coswig engagiert sie sich zudem für die Belange der Gruppenmitglieder. Sie berät und stärkt die Betroffenen und deren Angehörige beim Umgang mit der Erkrankung. Über Jahre hielt sie als Leiterin der Gruppe Kontakt zum Landkreis, zu den Kommunen und zur Multiple-Sklerose-Gesellschaft. Trotz der Einschränkung durch ein schweres Hüftleiden steht sie weiterhin mit ihrem Rat zur Verfügung.
Gerda Riemer wird die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Seit seiner Stiftung im Jahre 1951 wurde der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland über 240.000 Mal verliehen. Jeder Bürger kann begründete Vorschläge für Personen, die mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland geehrt werden sollen, unterbreiten. Daraufhin wird ein sogenanntes Ordensprüfungsverfahren in der Sächsischen Staatskanzlei eingeleitet. Dabei soll die Ordenswürdigkeit der vorgeschlagenen Person festgestellt werden. Wird diese anerkannt, übt der Ministerpräsident des Landes, in dem der Vorgeschlagene lebt, gegenüber dem Bundespräsidenten sein Vorschlagsrecht aus. Der Bundespräsident stützt seine Entscheidung auf die Prüfungsergebnisse der Länder. Ordensverleihungen erfolgen grundsätzlich im Konsens mit dem Vorschlagsberechtigten. Neben den Ministerpräsidenten und Regierenden Bürgermeistern der Stadtstaaten können auch der Außenminister für Ausländer oder Deutsche mit Wohnsitz im Ausland sowie die jeweiligen Bundesminister für ihren Zuständigkeitsbereich ihr Vorschlagsrecht gegenüber dem Bundespräsidenten ausüben.

Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: Sächsische Staatskanzlei.

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