Um Ihnen künftig einen noch besseren Service anbieten zu können, konzentriern wir uns derzeit auf eine größere Umstrukturierung. Freuen Sie sich auf ein frisches Layout, mehr Nachrichten und mehr Möglichkeiten zum Mitmachen ab 2011!

BWIHK Baden-Württembergischer Industrie- und Handelskammertag

Konjunktureller Aufschwung bringt mehr Ausbildungsplätze

01.10.2010 / 09:57. Der konjunkturelle Aufschwung spiegelt sich jetzt auch auf dem Ausbildungsmarkt wieder: Bis Ende September 2010 wurden bei den Industrie- und Handelskammern (IHKs) in Baden-Württemberg insgesamt 43.228 Ausbildungsverträge eingetragen – ein Plus von 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In der Region Stuttgart waren es 10.155 Ausbildungsverträge und damit 1,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.


„Das ist eine sehr erfreuliche Bilanz, die wir so nicht erwartet haben“, so Dr. Herbert Müller, Präsident der IHK Region Stuttgart und Federführer Ausbildung der zwölf baden-württembergischen IHKs. „In unserer Umfrage zu Beginn des Jahres haben die Betriebe noch ziemlich zurückhaltend geantwortet. Offenbar hat aber der konjunkturelle Aufschwung die Ausbildungsplanungen günstig beeinflusst.“ Gespräche zeigten, dass die Ausbildungsbereitschaft in den Unternehmen weiter steigen werde: „Die Unternehmen wissen, was die Stunde geschlagen hat“, so Müller. „Die Demografie bringt in den nächsten Jahren weniger Bewerber, gleichzeitig scheiden mehr Mitarbeiter aus. Das führt zu Personalengpässen. Deshalb müssen die Unternehmen jetzt Vorsorge treffen.“

Das von der Wirtschaft im Ausbildungspakt gegebene Versprechen, jedem Jugendlichen ein angemessenes Qualifizierungsangebot zu machen, wurde gehalten. Das gelte auch für die anderen Zusagen im Bündnis. Mit 3.058 sei die Zahl der neuen IHK-Ausbildungsbetriebe deutlich höher als zugesagt (Soll Ende 2010: 2.387), entscheidend sei aber die Zahl der eingeworbenen Lehrstellen, die mit 8.499 fast doppelt so hoch sei wie die Zusage (Soll Ende 2010: 4.773). Laut Arbeitsagentur waren Ende August noch 10.549 Lehrstellen unbesetzt. Das seien 14,1 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

„Auch in diesem Jahr haben wir wieder gute Erfahrungen mit den Einstiegsqualifizierungen gemacht“, so Müller weiter. Dabei absolvieren die Jugendlichen in einem sechs- bis zwölfmonatigen Praktikum Teile eines Ausbildungsberufs. Die IHK bestätigt die Teilnahme mit einem Zertifikat. Mehr als 60 Prozent der Absolventen bekommen im Anschluss an das Praktikum die Chance, eine Berufsausbildung anzuschließen. Obwohl die im Ausbildungspakt vereinbarte Zahl der Praktikumsplätze zur Einstiegsqualifizierung knapp nicht erreicht wurde (Soll Ende 2010: 3.182 / Ist Ende September: 3.137), liege sie doch deutlich über dem tatsächlichen Bedarf und werde bis Jahresende noch höher ausfallen.

Nach wie vor sei die Ausbildungsreife ein Einstellungshindernis, so der IHK-Präsident. „Bildungspartnerschaften zwischen Unternehmen und Schulen leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung von Ausbildungsreife und Berufsorientierung.“ Laut Müller eine Erfolgsgeschichte: In der Region Stuttgart sei gerade die 200. durch die IHK initiierte Bildungspartnerschaft geschlossen worden, im Land gebe es rund 1.300 durch die IHKs vermittelte Bildungspartnerschaften.

Die IHKs sind nach Worten Müllers sehr daran interessiert, ein neues Ausbildungsbündnis („Ausbildungspakt“) mitzutragen – angesichts der demografischen Entwicklung müssten die Ziele jedoch neu definiert werden. „Es macht wenig Sinn, den Schwerpunkt auf die Bereitstellung von betrieblichen Ausbildungsplätzen und Einstiegsqualifizierungen zu legen“, so Dr. Herbert Müller. Er fordert, die bisherigen quantitativen Ziele zu reduzieren: „Es ist unrealistisch, die Betriebe aufzufordern, ihr Angebot auszuweiten oder weiter über Bedarf auszubilden, wenn die entsprechenden Bewerber fehlen.“ Im Mittelpunkt des neuen Paktes müssten qualitative Gesichtspunkte stehen: Weitere Verbesserung der Ausbildungsreife der jungen Menschen an den Schulen, weitere Senkung des Anteils von Schülern ohne Abschluss, verbindliche Verankerung der Berufswegeplanung und Berufsorientierung in den allgemeinbildenden Schulen.

„Gleichzeitig erwarten die IHKs in Baden-Württemberg ein klares Bekenntnis zum Vorrang der dualen Ausbildung gegenüber beruflichen Vollzeitschulen“, so Müller. „Es kann nicht dauerhaft hingenommen werden, dass lediglich
20 Prozent der Realschüler direkt eine duale Ausbildung beginnen, während die Berufskollegs aus allen Nähten platzen.“

Von der Enquete-Kommission des Landtags „Fit fürs Leben in der Wissensgesellschaft – berufliche Schulen, Aus- und Weiterbildung“ erwartet Müller konkrete Handlungsempfehlungen für die Landesregierung, die die Bemühungen der Wirtschaft um eine differenzierte und qualitativ hochwertige Ausbildung unterstützen. Dazu gehören laut Müller vor allem starke Berufsschulen sowie mehr ausbildungsfähige junge Menschen, die direkt im Anschluss an ihren allgemeinbildenden Schulabschluss eine duale Ausbildung aufnehmen: „Das Geld ist vorhanden. Die Einsparungen durch zurückgehende Schülerzahlen müssen im Bildungssystem bleiben und dürfen nicht für andere Zwecke verwendet werden. Außerdem sollte es kein Tabu sein, durch die Umstellung von G 9 auf G 8 freiwerdende Lehrerkapazitäten in das berufliche Schulsystem umzuschichten.“

Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: BWIHK Baden-Württembergischer Industrie- und Handelskammertag.

Bookmark and Share



Die beliebtesten Artikel des Tages



Kommentare zu diesem Artikel

Schreiben Sie den ersten Kommentar!