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Evangelische Landeskirche in Baden
Kongress beleuchtete Rolle des Religionsunterrichts an beruflichen Schulen
04.05.2010 / 18:03. Für eine werteorientierte Persönlichkeitsentwicklung sind in der Schule nicht nur weltlicher Lehrstoff, sondern auch religiöse Fragen von entscheidender Bedeutung. Der Religionsunterricht an beruflichen Schulen (BRU) nimmt die Frage nach Gott und dem Sinn des Lebens in den Blick. Er fördert die ethische Urteilsbildung und schafft interkulturelle und interreligiöse Dialogkompetenzen, die in der Wirtschaft heute ebenso gefragt sind wie in der Gesellschaft überhaupt.Um diese Profilierung des BRU weiter zur stärken, kamen am 3. Mai 2010 im CVJM-Haus in Stuttgart rund 175 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Schulen, Politik und Verbänden zum Kongress „Schule – Werte – Religion“ zusammen. Veranstalter war das Kultusministerium Baden-Württemberg gemeinsam mit dem EIBOR und dem KIBOR, dem Evangelischen bzw. Katholischen Institut für berufsorientierte Religionspädagogik. Die beiden Institute der Universität Tübingen setzen sich mit dem Religionsunterricht im beruflichen Schulwesen wissenschaftlich auseinander, evaluieren ihn und entwickeln ihn weiter. Derzeit besuchen in Baden-Württemberg etwa 378.000 Schülerinnen und Schüler öffentliche berufliche Schulen. Das Erörtern existenzieller Fragestellungen und religiöser Themenbereiche ist für diese Jugendlichen am Übergang zwischen Schule und Beruf von besonderer Bedeutung. Denn nicht zuletzt fordern die komplexer werdende Arbeitswelt und die religiös und kulturell pluraler werdende Schulgemeinschaft vermehrt Raum zur Orientierung.
Mitveranstalter des Kongresses waren die katholischen (Erz-)Diözesen und die evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg sowie das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Der eintägige Kongress vereinte Plenumsbeiträge mit einem umfangreichen Workshopprogramm zu zahlreichen Einzelfragen des konfessionellen Religionsunterrichts im BRU-Kontext, etwa Forschungsergebnisse zur Wertebildung oder die Herausforderungen eines interreligiösen Reliunterrichts.
An die unverzichtbare Funktion des Religionsunterrichts in der beruflichen Bildung knüpfte auch der Workshop zum Thema Schulseelsorge an. Oberkirchenrat Christoph Schneider-Harpprecht, Leiter der Referats Erziehung und Bildung der Evangelischen Landeskirche in Baden, machte deutlich, dass seelsorgerliche Begleitung nicht nur der besseren Bewältigung akuter Krisensituationen diene. Auch für die Lösung „einfacher“ Alltagskonflikte und zur Pflege sozialer Beziehungen und einer vertrauensvollen Lehr-Lern-Atmosphäre sei die seelsorgerliche Begleitung von Schülern und Lehrern unverzichtbar – besonders angesichts von Faktoren wie steigendem Leistungsdruck und wachsender religiöser Vielfalt im Klassenzimmer. Peter Cleiß, Studienleiter am RPI in Karlsruhe, stellte den Workshopteilnehmern im Anschluss das seelsorgerliche Instrument „Zielorientiertes Kurzgespräch“ vor. Diese Gesprächstechnik, bei der einem Ratsuchenden durch gezieltes Nachfragen innerhalb weniger Minuten ein möglicher Ausweg aus seinem Problem aufgezeigt werden soll, ist durch ihre Kürze besonders zur Anwendung im Schulalltag geeignet.
EIBOR-Institutsleiter Friedrich Schweitzer hatte eingangs die Grund legende Bedeutung von Sinn- und Orientierungsfragen im Jugendalter betont, für die der Religionsunterricht gerade im beruflichen Schulwesen einstehe. Andreas Schelten, Professor für Pädagogik an der TU München, unterstrich im Hauptvortrag die „Kompensationsfunktion“ des BRU: Dieser bilde einen Ausgleich zur rein berufsbezogenen Wirklichkeit und eröffne die Möglichkeit für die Sinn- und Zukunftsfragen der jungen Leute. Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg) betrachtete das Tagungsthema aus kirchlicher Sicht. Die werteorientierte Bildung der Azubis spiele im BRU eine zentrale Rolle – es gelte aber zu beachten: Gott ist mehr als Ethik. Religiöse Bildung gehe in ethischer Bildung nicht einfach auf. Auch Kultusministerin Marion Schick stricht die Bedeutung von auf religiöse Werte bezogener Erziehung zu verantwortungsbewusstem Verhalten heraus: „Religionsunterricht kann für junge Erwachsene in einem Alter des Suchens und Fragens nach Sinn helfen, Antworten zu finden.“ Nur in Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften könne der Staat seine Bildungsaufgaben umfassend erfüllen, so Schick in ihrer Rede.
Die Veranstalter werteten den Kongress abschließend als großen Erfolg für den BRU. Dieser habe mit „Schule – Werte – Religion“ erstmals ein so großes Forum gehabt, so Georg Wagensommer vom EIBOR. Es sei nun das Ziel beider Institute, dem BRU auch weiterhin eine starke Stimme zu geben – auch und gerade in der Öffentlichkeit.
Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: Evangelische Landeskirche in Baden.

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