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Evangelische Landeskirche in Baden
Kongress am 3. Mai beleuchtet RU an beruflichen Schulen
30.04.2010 / 15:55. "Für eine werteorientierte Persönlichkeitsentwicklung in der beruflichen Bildung sind auch die religiösen Fragen von entscheidender Bedeutung", sind sich die Veranstalter des Kongresses "Schule - Werte - Religion" sicher. DerReligionsunterricht an beruflichen Schulen nimmt die Frage nach Gott und dem Sinn des Lebens in den Blick. Er fördert insbesondere auch die ethische Urteilsbildung und schafft interkulturelle und interreligiöse Dialogkompetenzen, die in der Wirtschaft heute ebenso gefragt sind wie in der Gesellschaft überhaupt.
Der Kongress "Schule - Werte - Religion", der am 3.5.2010 in Stuttgart stattfindet, soll diese Profilierung des Religionsunterrichts an beruflichen Schulen weiter stärken. Im CVJM-Haus in der Büchsenstrasse werden 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Schulen, Politik Kammern und Verbänden erwartet. Veranstalter sind das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg gemeinsam mit dem EIBOR und dem KIBOR, dem Evangelischen bzw. Katholischen Institut für berufsorientierte Religionspädagogik - zwei Institute der Universität Tübingen, die sich mit
dem Religionsunterricht im beruflichen Schulwesen wissenschaftlich auseinander setzen, ihn evaluieren und weiterentwickeln. Mitveranstalter sind die katholischen (Erz-)Diözesen und die evangelischen Landeskirchen in Baden-Württemberg sowie das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Beginn ist um 9.00 Uhr. Der eintägige Kongress vereint Plenumsbeiträge aus Hochschule, Politik und Kirche. In seiner Begrüßung betont Institutsleiter Friedrich Schweitzer die grundlegende Bedeutung von Sinn- und Orientierungsfragen im Jugendalter, für die der Religionsunterricht gerade im beruflichen Schulwesen einstehe. Für die Ministerin für Kultus, Jugend und Sport Marion Schick, ist auf religiöse Werte bezogene Erziehung zu verantwortungsbewusstem Verhalten für Schülerinnen und Schüler an den beruflichen Schulen sehr wichtig. "Religionsunterricht kann für junge Erwachsene in einem Alter des Suchens und Fragens nach Sinn helfen, Antworten zu finden. Nur in Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften kann der Staat dabei die Bildungsaufgaben im Sinne von "Schule - Werte - Religion" erfüllen", sagt Schick in ihrer Rede. Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg) betrachtet das Tagungsthema aus der Sicht der Kirchen. Die werteorientierte Bildung der Auszubildenden spielt im Religionsunterricht an beruflichen Schulen für ihn eine zentrale Rolle - es gilt aber zu beachten: Gott ist mehr als Ethik. Religiöse Bildung geht in ethischer Bildung nicht einfach auf. Aus der Sicht der
Berufspädagogik stellt sich Prof. Dr. Andreas Schelten, Professor für Pädagogik an der TU München dem Thema "Schule - Werte - Religion" im Hauptvortrag. In besonderer Weise unterstreicht er die "Kompensationsfunktion" des Religionsunterrichts in der Berufsbildung: Er bildet einen Ausgleich zur rein berufsbezogenen Wirklichkeit und eröffnet die Möglichkeit für die Sinn- und Zukunftsfragen der Schülerinnen und Schüler. Nachmittags finden mehr als fünfzehn Workshops zu zahlreichen Einzelfragen des konfessionellen Religionsunterrichts im Kontext des beruflichen
Schulwesens statt, bevor der Tag in der Hospitalkirche mit einem geistlichen Impuls durch Landesbischof Frank Otfried July (Stuttgart) schließt. Die beiden miteinander kooperierenden wissenschaftlichen Institute, die
den Kongress maßgeblich verantworten, wurden 2002 (KIBOR, Leitung Prof. Albert Biesinger) bzw. 2008 (EIBOR, Leitung Prof. Friedrich Schweitzer) mit Unterstützung der Mitveranstalter an der Universität Tübingen errichtet. Sie haben das Ziel, sowohl theoriegeleitet als auch praxisorientiert den Religionsunterricht an beruflichen Schulen
wissenschaftlich zu begleiten und zu stärken. Sie kommen diesem Auftrag nach, indem sie sich insbesondere den Fragen der Wertebildung im Religionsunterricht und dem interreligiösen Lernen zuwenden, aber auch Fragen der Schulkultur, der Unterrichtsorganisation, der Unterrichtsdidaktik, der Bildungsgerechtigkeit und der Aufgabe der Schulseelsorge. Das Workshopprogramm spiegelt die Forschungsfelder der Institute wieder. Der Religionsunterricht soll so gestärkt werden, dass seine unverzichtbare Funktion auch im Zusammenhang beruflicher Bildung plausibel gemacht wird. Derzeit besuchen etwa 378.000 Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg öffentliche berufliche Schulen in Voll- und Teilzeitbildungsgängen. In dem dort nach Art. 7 Abs. 3 GG und der Landesverfassung verankerten Religionsunterricht werden Lebensorientierung und Persönlichkeitsentwicklung miteinander so verschränkt, dass die berufsbezogene Ausbildung um existentielle Fragestellungen und religiöse Themenbereiche vertieft und erweitert wird. Dies ist nicht nur für Schülerinnen und Schüler aller Ausbildungsgänge bedeutsam, sondern insbesondere auch für Jugendliche in Übergangssystemen zwischen Schule und Beruf. Überhaupt fordern die komplexer werdende Arbeitswelt und die religiös und kulturell pluraler werdende Schulgemeinschaft vermehrt Raum zur Bildung von Orientierung. All diesen Anfordernissen stellen sich insbesondere der evangelische und katholische Religionsunterricht, dessen Lehrerinnen und Lehrer vor Ort schon lange und intensiv zusammenarbeiten.
Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: Evangelische Landeskirche in Baden.

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