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Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg
Kleinkläranlagen sind im ländlichen Raum ökologisch und ökonomisch sinnvolle Alternative
23.09.2010 / 10:37. "Kleinkläranlagen mit biologischer Hauptreinigungsstufe und abflusslose Sammelgruben sind im ländlichen Raum eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Alternative", so Umweltministerin Anita Tack (Linke) heute in Potsdam anlässlich der Veröffentlichung des "Wegweisers für den Einsatz von Kleinkläranlagen und Sammelgruben". Trotz eines landesweit hohen Anschlussgrades an die zentrale kommunale Abwasserentsorgung sieht die Ministerin weiteren Handlungsbedarf, vor allem in den dünn besiedelten Regionen Brandenburgs: "Es ist wirtschaftlicher Unsinn, zu jedem Einzelgehöft, jeder Streusiedlung oder jedem Kleinstdorf eine Abwasserleitung zu verlegen." Sie appelliert an die Aufgabenträger der Abwasserentsorgung und an die unteren Wasserbehörden, ihren Ermessensspielraum beim Anschluss- und Benutzungszwang in solchen Fällen zu nutzen, damit auch weiterhin Spielräume für dezentrale und kostengünstige Lösungen gegeben sind.Der gegenwärtige Anschlussgrad von 84,2 Prozent bedeutet, dass in Brandenburg etwa 2,1 Millionen Menschen an zentrale kommunale Abwasserbehandlungsanlagen angeschlossen sind. 15,8 Prozent der Brandenburger Bevölkerung - immerhin mehr als 400.000 Menschen - entsorgen ihr häusliches Abwasser dezentral, das heißt in Gruben, die in bestimmten Abständen zu entleeren sind, oder in Kleinkläranlagen. Tack hält es angesichts der sehr unterschiedlichen Besiedlungsdichte für wenig sinnvoll, den zentralen Anschlussgrad in Brandenburg bei den dann zu erwartenden Kosten noch nennenswert zu erhöhen.
Von den 15,8 Prozent dezentrale Abwasserentsorgung nehmen häusliche Sammelgruben mit 12,1 Prozent den größeren, Kleinkläranlagen mit 3,7 Prozent den weitaus kleineren Anteil ein. Der Handlungsbedarf im Bereich der dezentralen Abwasserentsorgung ergab sich in der Vergangenheit vor allem aus dem erheblichen Modernisierungs- bzw. Umrüstungsbedarf. Alle - zum Teil sehr alte - Kleinkläranlagen und Sammelgruben wurden und werden sukzessive von den unteren Wasserbehörden geprüft, ob sie den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen, z.B. dicht sind. Ein negatives Ergebnis bedeutet, dass von der Anlage eine Gefährdung für Oberflächengewässer oder Grundwasser ausgeht. Dann besteht die Verpflichtung zur Nach- oder Umrüstung. Je nach örtlichen Gegebenheiten, kann dabei der Bau einer Kleinkläranlage die wirtschaftlich bessere Lösung sein. Auch beim Bau eines neuen Hauses abseits zentraler Entsorgungsmöglichkeiten muss eine Entscheidung für eine der dezentralen Entsorgungsvarianten getroffen werden.
Der vom Umweltministerium herausgegebene "Wegweiser für den Einsatz von Kleinkläranlagen und Sammelgruben" soll Grundstückseigentümer bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Vom Tropfkörperverfahren über die Membranfiltration bis zur Pflanzenkläranlage werden sieben verschiedene technische Typen von Kleinkläranlagen mit den jeweils zu erwartenden mittleren Investitionskosten vorgestellt. Mehrfarbige Zeichnungen verdeutlichen die jeweilige Funktionsweise. Wie bei einem Autotest werden jeweils die Vor- und Nachteile jedes Anlagentyps benannt und die zu erwartenden Kosten für Betrieb und Wartung aufgelistet, ebenso die mittleren Kosten für abflusslose Sammelgruben. In Modellrechnungen werden die Kostenvor- und -nachteile bei unterschiedlichen Haushaltsgrößen dargelegt. Ergänzt wird das Ganze durch eine Checkliste mit den notwendigen Standortkriterien und Arbeitsschritten von der Planung bis zum dauerhaften Betrieb der dezentralen Anlagen.
Tack erwartet für die Zukunft, dass sich der Anteil von Kleinkläranlagen gegenüber abflusslosen Sammelgruben erhöht, vor allem in jenen Landkreisen, die bisher nur einen unterdurchschnittlichen Anteil aufweisen. Dazu gehören beispielsweise Oberhavel mit 0,3 Prozent Kleinkläranlagen und 16,6 Prozent Gruben, Havelland mit 0,5 Prozent Kleinkläranlagen und 16,6 Prozent Gruben oder der Barnim mit 0,8 Prozent Kleinkläranlagen und 15,1 Prozent Gruben. Den höchsten Anteil an der Abwasserentsorgung nehmen Kleinkläranlagen derzeit in den Landkreisen Prignitz mit 21,0 Prozent, Spree-Neiße mit 13,4 Prozent und Elbe-Elster mit 11,3 Prozent ein.
Der "Wegweiser für den Einsatz von Kleinkläranlagen und Sammelgruben - Dezentrale Lösungen von der Planung bis zum dauerhaften Betrieb" kann als Druckexemplar sowohl beim Umweltministerium als auch bei den zuständigen unteren Wasserbehörden bezogen werden.
Der Wegweiser steht auch im Internet unter: www.mugv.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.224568.de
Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg.

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