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Universität Kassel

"Haben wir uns nicht schon einmal getroffen?" - Wie Wissenschaftler ihre soziale Vernetzung digitalisieren

29.09.2010 / 12:25. Internet und Smartphones werden von immer mehr Menschen ganz selbstverständlich in ihrem Alltag benutzt. Erstaunlicherweise spielen diese Techniken jedoch bisher kaum eine Rolle, wenn die Forscher, die hierfür die Grundlagen schaffen, sich auf Tagungen ihre Ergebnisse gegenseitig vorstellen. Powerpoint-Vorträge haben die Overheadfolien abgelöst, aber ansonsten sind persönliche Gespräche immer noch die vorherrschende Kommunika-tionsform auf Tagungen. "Dies soll auch so bleiben", befindet Prof. Dr. Gerd Stumme, Leiter des Fachgebiets Wissensverarbeitung der Universität Kassel. "Wir haben dennoch untersucht, welche Möglichkeiten die neuen Technologien Wissenschaftlern bieten, um ihre Arbeit und die Vernetzung untereinander effizienter zu organisieren." Zu diesem Zweck hat das Fachgebiet Wissensverarbeitung einen neuen Dienst - den Conferator - entwickelt, der Wissenschaftlern eine Übersicht über alle von ihm geführten Fachgespräche organisiert und mit dem Tagungsprogramm verknüpft. Der Austausch von Visitenkarten gehört somit der Vergangenheit an. Gleichzeitig werden auch Kontakte mit Personen, die man schon länger kennt, automatisch erfasst.


Vorgestellt wird der soziale Tagungsführer Conferator auf der Workshopwoche "Lernen - Wissen - Adaptivität" an der Universität Kassel, die vom 4. bis 6. Oktober unter Leitung von Prof. Stumme in der Wilhelmshöher Allee 73 stattfindet.

Der Conferator erlebt seine Premiere in der Workshopwoche "Lehren - Wissen - Adaptivität (LWA 2010)", in der sich jährlich vier Fachgruppen der Gesellschaft für Informatik treffen, und die dieses Jahr vom Fachgebiet Wissensverarbeitung an der Universität Kassel veranstaltet wird. Vom 4. bis 6. Oktober treffen sich ca. 100 Wissenschaftler aus ganz Deutschland, um sich gegenseitig ihre neuesten Forschungsergebnisse vorzustellen. Alle Tagungsteilnehmer, die den Conferator nutzen wollen, erhalten aktive RFID-Tags, die man wie ein Namensschild ansteckt. Durch die Tags lässt sich erkennen, wo man sich gerade befindet und mit wem man sich aktuell unterhält. Die RFID-Technik hierfür wurde am Forschungszentrum ISI in Turin entwickelt, die Tagungssoftware an der Universität Kassel. "Die Workshopwoche ist eine ideale Gelegenheit, mit dem Einsatz dieser Technik zu experimentieren und die Ergebnisse gleichzeitig den Forscherkollegen vorzustellen. Daher arbeiten zurzeit alle Mitarbeiter des Fachgebiets mit voller Kraft an der Entwicklung des Conferators", stellt Prof. Stumme fest.

Der Conferator besteht aus zwei Teilen. Das PeerRadar gibt einen Überblick darüber, mit wem man sich während der Tagung wann und wo unterhalten hat. Er zeigt außerdem an, wie die Kontaktperson auf elektronischem Weg erreichbar ist (Homepage, Facebook, Twitter etc.) und für welche Publikationen und Vorträge sie sich aktuell interessiert. Das TalkRadar liefert zu jedem Vortrag Hintergrundinformationen über den Vortragenden und stellt die Metadaten zu dem Vortrag (Autor, Titel, Tagungsband etc.) bereit, so dass die Zuhörer sie direkt in dem sozialen Literaturverschlagwortungssystem BibSonomy abspeichern können. "Wissenschaftler erhalten so die Möglichkeit, Vorträge, die sie gerade gehört haben, direkt in ihrer nächsten Publikation zitieren zu können, ohne sich erst mühsam die Literaturdaten notieren zu müssen", freut sich Prof. Dr. Andreas Hotho, der BibSonomy an der Universität Kassel initiiert hat und der mittlerweile an der Universität Würzburg forscht und lehrt. "Erstmals wird so die Arbeit mit einer Veröffentlichung entlang dem ganzen Weg-– von der Rezeption als Tagungsvortrag bis zur Zitierung in der nächsten eigenen Publikation - durchgehend unterstützt."

Der Conferator wird im Rahmen des Projekts "VENUS - Gestaltung technisch-sozialer Vernetzung in situativen ubiquitären Systemen" im interdisziplinären Forschungszentrum für Informationstechnik-Gestaltung an der Universität Kassel entwickelt. Das Projekt wird im Rahmen der 2. Förderstaffel der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) von 2010-2012 gefördert. Das Ziel von VENUS ist es, den Gestaltungsprozess von zukünftigen vernetzten ubiquitären Systemen, welche sich durch kontextsensitives und selbstadaptives Verhalten auszeichnen, zu erforschen. Die Systeme sollen nicht nur die funktionalen Anforderungen erfüllen, sondern auch die gegebenen Benutzeranforderungen bezüglich der Benutzerfreundlichkeit, des Vertrauens und der gesetzlichen Bestimmungen einhalten. Folglich konzentriert sich VENUS auf die Interaktionen zwischen der neuen Technologie, dem individuellen Nutzer und der Gesellschaft. Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung sind daher auch zentrale Kriterien bei der Entwicklung des Conferators.

Weitere Informationen zum Conferator: http://www.kde.cs.uni-kassel.de/conf/lwa10/conferator.html

Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: Universität Kassel.

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