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BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Großartige Natur in Mecklenburg-Vorpommern nicht selbstverständlich - BUND ruft zu größeren Anstrengungen für den Schutz der Natur auf

24.09.2010 / 13:05. Ab Montag beginnt in Stralsund der 30. Deutsche Naturschutztag. Die traditionsreiche Veranstaltung, die 1925 das erste Mal in München stattfand, wird während der kommenden Woche Umweltexperten aus dem In- und Ausland nach Mecklenburg-Vorpommern führen. Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, ist dies Anlass, die Situation vor Ort kritisch zu beleuchten.


"20 Jahre nach der politischen Wende", so Arndt Müller, Naturschutzexperte des Landesverbandes, "ist unser Bundesland dabei, sein großartiges Naturerbe zu verspielen. Diejenigen, die schon in der DDR die fatalen Umweltschäden durch die industrielle Tierproduktion anprangerten, erleben heute einen Albtraum. Massentierhaltungsanlagen schießen in Mecklenburg-Vorpommern wieder wie Pilze aus dem Boden und Gülle überschwemmt unsere Äcker. Dieses Übermaß an Stickstoff ist jedoch der Artenkiller Nummer eins. Das größte Naturschutzgebiet nützt wenig, wenn dort nur noch Brennesseln wachsen."

Zwar verfüge Mecklenburg-Vorpommern über große Flächenanteile an Schutzgebieten, doch sei dies kein alleiniger Garant für einen wirksamen Naturschutz. Noch immer befinden sich nach jüngsten Aussagen des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie 99 Prozent der Fließgewässer, 28 Prozent der Seen und 95 Prozent der Küstengewässer in
einem schlechten ökologischen Zustand. Inzwischen, so der BUND, kann dies nicht allein auf Altlasten aus der DDR-Ära geschoben werden. Auch nach der politischen Wende hat sich die Landnutzungspolitik nicht wesentlich verändert. So ist die Hauptursache für den schlechten Zustand unserer Gewässer weiterhin die hohe Stickstofflast aus der Düngung
intensiv bewirtschafteter landwirtschaftlicher Flächen. Dieses Dauerproblem kann nur gelöst werden, so der BUND, wenn Landwirte nur noch dann finanzielle Beihilfen erhalten, wenn ihre Wirtschaftsweise dem Umweltschutz gerecht wird.

Dass es bei zahlreichen geschützten Tierarten durchaus Erfolge zu verbuchen gibt, ist auch auf herausragende Naturschutzprogramme zurückzuführen, auf die Mecklenburg-Vorpommern nach Meinung des BUND stolz sein kann. So ist das umfangreiche Moorschutzprogramm des Landes einer der Hauptgründe, dass See- und Fischadler wieder in großer Zahl in
unserm Land brüten. Diese locken wiederum tausende Besucher ins Land, die - um grandiose Natur zu erleben - vordem nach Kanada oder Skandinavien gefahren sind. An diesen Beispielen, so der BUND, wird deutlich, dass Naturschutz nicht zuletzt dem Werterhalt und der Vermehrung von Kapital dient. Dies sei eine ausgesprochen verantwortungsvolle Aufgabe, die nicht hinter der Arbeit von Banken und Wirtschaftsunternehmen zurückstehe.

Naturschutzarbeit in Mecklenburg-Vorpommern zeitigt nach Auffassung des BUND zahlreiche Erfolge, an denen die Umweltverbände großen Anteil haben, so z.B.

die kurz bevorstehende Unterzeichnung einer Rahmenvereinbarung mit der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) über die Übernahme von Flächen in das "Grüne Band" dem Naturschutzgroßprojekt auf der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze durch das Land Mecklenburg-Vorpommern,

- die Richtlinie für besonders artgerechte Tierhaltung,

- die Einführung zusätzlicher Agrarumweltmaßnahmen (z. B. Bienenweide, Erosionsschutz),

- die Unterstützung von Schutz- und Managementmaßnahmen für den Wolf,

- die Ausweisung von großräumigen Naturschutzgebieten z.B. im Peenetal,

- die Übernahme und naturschutzgerechte Behandlung von Naturschutzgebieten.

Als negativ muss aber weiterhin herausgestellt werden, dass unter anderem

- der Flächenverbrauch für Siedlung, Verkehr und Gewerbe weiterhin hoch ist und bei der Mehrheit der Vorhaben die attraktive Lage oder zweifelhafte wirtschaftliche Effekte als wichtiger erachtet werden, als der Schutz der Natur (Beispiele: Hotel- und Hafenanlage "Weiße Wiek" in der Wohlenberger Wiek; TUI-Hotel am Fleesensee in Untergöhren; Eigenheimgebiet Jürgenshof am Plauer See; Eigenheimgebiet am Hochufer von Sellin/ Rügen; die Straße B
96n auf Rügen),

- das Land Mecklenburg-Vorpommern weiter die Ansiedlung von Massentierhaltungsanlagen über den Europäischen
Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums fördert,

- noch immer keine speziellen marinen Schutzgebiete vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns ausgewiesen sind, obwohl das Land internationale Verpflichtungen eingegangen ist,

- Gesetzesvorhaben, wie aktuell das Landeswaldgesetz, keine ausreichenden Vorgaben für eine naturschutzgerechte
Bewirtschaftung des Landes machen.

Naturschutz, so der das Fazit des BUND, ist nicht das Hobby weniger Expertinnen und Experten, sondern eine Querschnittsaufgabe für zahlreiche gesellschaftlichen Bereiche. "Wir rufen deshalb anlässlich des Deutschen Naturschutztages dazu auf, auch hierzulande noch mehr zu leisten, um unseren Ruf als Natur- und Gesundheitsland Nr.1 zu erhalten und zu mehren. Jede Bürgerin und jeder Bürger kann diesem Ziel schon allein durch den Kauf heimischer und umweltgerecht erzeugter Bio-Produkte nützen", so Arndt Müller vom BUND abschließend.

Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V..

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