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Landesverband Hessen des Naturschutzbundes Deutschland
Gift gegen Maikäfer - gute fachliche Praxis?
29.04.2010 / 12:03. Mit Empörung hat der NABU Hessen auf die Antwort der Naturschutzbehörde zum Gifteinsatz gegen den Maikäfer im Pfungstädter Wald reagiert. "Es ist unfassbar, dass die Behörde einen Gifteinsatz, der zum ersten Mal seit dem DDT-Einsatz in den 50iger Jahren großflächig Insektizide im Riedwald ausbringt, als ,gute fachliche Praxis' bezeichnet und damit den Einsatz rechtfertigt", so Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU. Die Ausbringung des Mittels per Hubschrauber sei nur mit Sondergenehmigung möglich. Skandalös sei zudem, dass die Begiftung des Waldes ohne jegliche Vor- und Nachuntersuchungen stattfinden solle. Das "Abnicken" des Gifteinsatzes führe die Artenschutzziele im Internationalen Jahr der Biologischen Vielfalt ad absurdum. Das Gift sei eine große Bedrohung für viele Tierarten.Die Darmstädter Naturschutzbehörde könne sich nicht aus der Verantwortung stehlen, so der NABU Hessen. Ein Teil des betroffenen Waldgebietes sei Europäisches Schutzgebiet, in dem z.B. ein europarechtlich geschützter Schmetterling, die Spanische Fahne vorkomme. Allein schon beim Verdacht einer erheblichen Beeinträchtigung müsse die Behörde eine Verträglichkeits-Prüfung von der Stadt verlangen. Eine solche Prüfpflicht gebe es auch, wenn die Arten nur durch Randeffekte wie Windverdriftung vom Gift erfasst werden können. Der Antragsteller - in diesem Fall die Stadt Pfungstadt - sei in der Pflicht, zu beweisen, dass eine Maßnahme die Natur nicht erheblich schädige - nicht die Behörde. Befremdlich sei zudem, dass die Genehmigung des Bundesamtes für Verbraucherschutz zum Einsatz des Giftes unter Verschluss gehalten werde.
Bewirtschaftet wird der Stadtwald vom Landesbetrieb Hessen-Forst. "Offenbar soll dem Landesbetrieb Hessen-Forst der Weg zu einem Gifteinsatz geebnet werden, den selbst der Leiter des Lampertheimer Forstamtes, Ralf Schepp, für nicht sinnvoll hält", so Eppler.
Die Stadt Pfungstadt plant den Einsatz des Breitbandgiftes Dimethoat auf Hunderten von Hektar Wald. Für den Staatswald hat Umweltministerin Silke Lautenschläger den Gifteinsatz gestoppt, weil der Erfolg "fraglich" und "eine Beeinträchtigung geschützter Arten nicht auszuschließen" sei. In mehreren Gutachten waren hier im Sommer 2009 verschiedene Artengruppen untersucht worden. Insbesondere für zahlreiche Fledermausarten sind die Riedwälder von großer Bedeutung. Einige Fledermausarten ernähren sich von den Maikäfern und nehmen das Gift während ihrer Schwangerschaft auf. "Wenn schon keine Verträglichkeitsprüfung für den Pfungstädter Wald in Auftrag gegeben wurde, müssen zumindest die Erkenntnisse der Gutachten im Staatswald berücksichtigt werden", fordert Eppler. Deren Ergebnisse würden zeigen, dass der Gifteinsatz nicht machbar sei, prognostiziert der NABU. Die Gutachten werden seit Ende letzten Jahres von Hessen-Forst unter Verschluss gehalten.
"Was für den Staatswald gilt, muss auch für den Kommunalwald gelten", so der NABU. Der Naturschutzbund hält es für sinnlos, auf 3 % der betroffenen Waldfläche ein Mensch und Tier gefährdendes Breitbandgift einzusetzen, wenn aus 97 % der Waldfläche die Käfer ausfliegen. "Es wird ein ökologischer Schaden angerichtet, ohne einen Nutzen zu haben!", so der Biologe Eppler. Die Maikäfer würden von den Seiten her wieder in den Pfungstädter Wald einfliegen.
Für die Erholung suchenden Menschen sei der Gifteinsatz eine Zumutung. Wenn die Hubschrauberflüge in der nächsten Woche stattfinden, darf der Wald laut Bundesamt für Verbraucherschutz 48 Stunden lang nur mit Schutzanzügen betreten werden. Die Autobahn A5 muss während des Einsatzes gesperrt werden. Nach den 48 Stunden ist "der Spuk" nicht vorbei. Wildkräuter, Himbeeren, Blaubeeren, Brombeeren und Pilze dürften auch weiterhin nicht gegessen werden, so das Bundesamt für Verbraucherschutz. Dem NABU ist es ein Rätsel, wie der Pfungstädter Bürgermeister gewährleisten will, dass Kinder in diesem Sommer den Kontakt zur Natur im Stadtwald meiden. Im Jahr der biologischen Vielfalt trage er vielmehr dazu bei, die Menschen noch weiter von der Natur zu entfremden.
Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: Landesverband Hessen des Naturschutzbundes Deutschland.

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