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Gesamtmetall Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie e.V.

Die Hessenmetall Cluster-Initiative: Zusammenrücken für den Erfolg

16.06.2010 / 15:16. Unternehmensnetzwerke, so genannte Cluster, können die Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Unternehmen deutlich erhöhen. Der Arbeitgeberverband Hessenmetall initiiert und fördert solche Cluster aktiv, die letztlich von den beteiligten Firmen selbst getragen werden. Zur Unterstützung der Initiative stiftet der Verband die Juniorprofessur „Cluster & Wertschöpfungsmanagement“ an der Technischen Universität Darmstadt.


Die Liste liest sich ein wenig wie das Who is Who der Luftfahrtindustrie: Rolls-Royce, Diehl Aerospace, Schott AG, Parker Hannifin, Honeywell und Röder Präzision. Diese sechs Unternehmen aus dem Rhein-Main Gebiet haben Anfang des Jahres den Hessenmetall Aviation-Cluster gestartet. Die beteiligten Firmen wollen miteinander regional kooperieren und dadurch globale Wettbewerbsvorteile gewinnen. Schwerpunkte der Kooperation sind Personal- und Qualitätsmanagement.

Dirk Scherrer, Personal-Manager der beteiligten Parker Hannifin GmbH, ist von dem Cluster überzeugt: „Um die Herausforderungen durch Globalisierung optimal zu bewältigen, sehen wir eine Kooperation mit anderen Unternehmen in der Region als große Chance. Von einem Erfahrungsaustausch mit anderen Personalleitern, aber auch gemeinsamen Projekten, wie zum Beispiel gemeinsamen Auftritten auf Job-Messen oder der kooperativen Verbundausbildung, versprechen wir uns große Synergieeffekte innerhalb der Cluster-Kooperation.“

Solche Vorteile hatte bereits vor rund 20 Jahren der US-Amerikaner Michael E. Porter erkannt, Professor an der renommierten Harvard Business School und einer der einflussreichsten Managementtheoretiker unserer Zeit. Er hat damals den Begriff Cluster in die Betriebswirtschaftslehre eingeführt und mit Wettbewerbsvorteilen verbunden. Dem lag der Gedanke zugrunde, dass es in einer Region eine Gruppe von Unternehmen gibt, die durch einen Wirtschaftszweig, durch ähnliche Kunden, Lieferanten oder Dienstleistungen, aber auch Technologien oder ähnliches verbunden sind. Die Akteure innerhalb eines solchen Clusters könnten miteinander kooperieren, obwohl sie teilweise im Wettbewerb zueinander stünden. Es wären keine Gefälligkeiten oder Freundschaftsdienste, die die Zusammenarbeit im Cluster ausmachten. Jeder sei sich nach wie vor selbst am nächsten, doch wer enger zusammenrücke, könne Synergien nutzen und so Vorteile für das eigene Unternehmen schaffen. Soweit die Theorie.

Doch auch in der Praxis hat diese Art regionaler Zusammenballungen von Unternehmen gleicher Branchenzugehörigkeit mittlerweile an Bedeutung gewonnen. Seit etwa fünf Jahren erlebt das Cluster-Konzept in Deutschland geradezu einen Boom. „Cluster bieten den Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie die Möglichkeit“, so Martin Kannegiesser, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, „durch die Nutzung von Verbundvorteilen ihre Innovations-, Wettbewerbs- und Anpassungsfähigkeit zu erhöhen. In keinem anderen Land gibt es sie in einer solchen Häufigkeit, Vielfalt und Stärke wie bei uns.“ Zahlreiche Initiativen dieser Art wurden so von Politik und Wirtschaft ins Leben gerufen – allerdings mit völlig unterschiedlichen Ansprüchen und Erwartungen. Grundsätzlich kann man zwischen solchen Clustern unterscheiden, welche die Förderung der Wirtschaftskraft und Attraktivität einer Region zum Zweck haben und solchen, deren Ziel es ist, den eigenen Netzwerkmitgliedern im globalen Wettbewerb zum Erfolg zu verhelfen.

Es sind vor allem feste Unternehmensnetzwerke, die die Hessenmetall Cluster-Initiative fördern will. Sie wurde 2006 vom Verband der Metall- und Elektro-Industrie Hessen gegründet und ist in dieser Form einzigartig in Deutschland. In Hessen ist es das erste Mal, dass ein Arbeitgeberverband Clustergründungen initiiert und fördert. Bei dieser Initiative steht alleine der Nutzen für die beteiligten Unternehmen im Vordergrund. Und die wissen: Diese Vorteile gibt es nicht zum Nulltarif. Sie müssen in der täglichen Zusammenarbeit hart erarbeitet werden. Und zwar nicht nur bei Geschäftsführungen, sondern auch bei den beteiligten Bereichsleitern, zum Beispiel Vertriebsmanagern, Einkäufern und Entwicklern. Das alles setzt Vertrauen voraus. Die Cluster sind daher in sich geschlossen. Bei Neuzugängen müssen beispielsweise alle Beteiligten zustimmen. Hinzu kommt auch, dass die Kooperationspartner ihr Cluster-Management nach einer Anlaufphase selbst finanzieren müssen. Das funktioniert nur, wenn auf Dauer der Nutzen für die Unternehmen höher ist als die Kosten.

Einzigartig ist auch die enge Verknüpfung mit einem Betriebswirtschafts-Lehrstuhl an der TU Darmstadt. Der Arbeitgeberverband Hessenmetall stiftete hier eine Juniorprofessur. Der Juniorprofessor leitet in Personalunion auch die Cluster-Initiative. Aktuell ist die Juniorprofessur zwar vakant, die Projektleitung wird solange aber von Dr. Alexander Bode ausgeübt. Alle wissenschaftlichen Mitarbeiter des Lehrstuhls „Cluster & Wertschöpfungsmanagement“ (es ist der einzige Lehrstuhl in Deutschland mit dem Namensbestandteil „Cluster“) arbeiten neben ihren Tätigkeiten in Lehre und Forschung als Cluster-Manager. „Wir haben es uns zum Ziel gesetzt“, so Bode, „mittels anwendungsorientierter Methoden Industrieunternehmen dabei zu unterstützen, sich im globalen Wettbewerb zu behaupten.“

Der Fokus der Arbeit des Lehrstuhls liegt nach Aussage von Bode „auf der Untersuchung der Effekte unternehmensübergreifender Zusammenarbeit sowie der Funktionsweise solcher Unternehmensnetzwerke und Cluster“. Dabei stehe der Wertschöpfungsprozess als Kern der unternehmerischen Tätigkeit im Vordergrund. Die Projekte der hessischen Cluster-Initiative seien somit konkrete Anwendungsprojekte, aus denen sich wissenschaftlich neueste Erkenntnisse für die betriebswirtschaftliche Forschung ableiten ließen. „Hier auftretende Problemstellungen“, sagt Bode, der sich in der Cluster-Initiative als Moderator und Organisator sieht, „werden wissenschaftlich analysiert und erarbeitete Lösungsansätze können in diesem Rahmen sofort praktisch erprobt werden.“

Das haben die Darmstädter bisher in drei Clustern umsetzen können. Das erste und bislang erfolgreichste Projekt startete vor vier Jahren: der Automotive-Cluster Mittelhessen. Den an der Gründung beteiligten neun ZulieferUnternehmen der Automobilindustrie ist es bereits nach kurzer Zeit gelungen, nennenswerte Vorteile in verschiedenen Arbeitsgruppen, zum Beispiel Vertrieb und Einkauf, zu erzielen. „Gerade im vergangenen Krisenjahr hat sich die vertrauensvolle Zusammenarbeit bewährt, da die Geschäftsführer und Mitarbeiter vom gemeinsamen Erfahrungsaustausch profitieren konnten“, so Bode.

Erfolgreich ist auch der Spritzguss-Cluster Nordhessen. Mittlerweile zehn Unternehmen aus dem Werkzeug- und Formenbau sowie der Kunststoffverarbeitung kooperieren in diesem Cluster. Gemeinsam mit Kooperationspartnern des Instituts für Werkstofftechnik, Kunststofftechnik der Uni Kassel und der TU Darmstadt, werden in regelmäßigen Arbeitsgruppesitzungen gemeinsame Projekte in den Bereichen Technologie und Einkauf bearbeitet. Darüber hinaus gibt es Treffen zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion. Wichtige Technologiethemen werden mit Hilfe so genannter „Technologie-Scouts“ ermittelt und gemeinsam mit den Kooperationspartnern der Universitäten bearbeitet. Vision des Clusters ist die Errichtung eines gemeinsamen Anwendungs-Zentrums für Kunststoffverarbeitung.

Die jüngste Neugründung ist der erwähnte Aviation-Cluster Rhein-Main. Aktuell spricht Dr. Bode mit weiteren Firmen über eine Beteiligung – Potenzial dazu gibt es im Rhein-Main-Gebiet genug. Darüber hinaus werden in Hessen sicherlich weitere Cluster folgen. Alexander Bode arbeitet als Wissenschaftler und Cluster-Manager gerade an der Initiierungsphase einer neuen Kooperation. Geplant ist ein MechatronikCluster in Südhessen.

Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: Gesamtmetall Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie e.V..

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