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Cranach in neuem Licht

31.05.2010 / 15:44. Vom 4.-5. Juni findet in der St. Wolfgangskirche zu Schneeberg die Tagung "Cranach in neuem Licht" statt, die sich dem dortigen Cranach- Altar als erstem Reformations-Retabel widmet. Die Konferenz thematisiert erstmals das komplexe Gesamtprogramm und das wechselvolle Schicksal des Retabels sowie seine inhaltliche und formale Konzeption als Paradigma des ‚neuen‘ Glaubens. Gestützt auf rezente Quellenfunde, wird das Altarwerk als ein ungeahnt innovatives, theologisch und politisch aufgeladenes sowie visuell und liturgisch argumentierendes Medium diskutiert.


Das bei Lucas Cranach d. Ä. in Auftrag gegebene und 1539 in der St. Wolfgangskirche zu Schneeberg/Erzg. errichtete Altarretabel – mit der zentralen, vielfigurigen Kreuzigungsszene, zwei Flügelpaaren und einer bemalten Rückseite das umfangreichste und komplexeste, das die Wittenberger Werkstatt je fertigte – stellt unbestritten das Initialwerk protestantischer Kirchenausstattung dar. Als kurfürstlich-sächsische Donation gesteht es dem Bild auf neuartige Weise eine Identität stiftende Funktion zu und zeugt bis heute im Zentrum des nicht minder ambitiösen, 1540 vollendeten Bergmannsdoms – einer der größten spätgotischen Hallenkirchen Sachsens – von den neuen lutherischen Glaubensinhalten.

Trotz der herausragenden historischen Stellung des Schneeberger Retabels und trotz seines wechselvollen Schicksals zog es bislang sowohl in der kunsthistorischen als auch in der theologischen Forschung vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit auf sich. Das Bildwerk galt allzu sehr dem Typus des spätmittelalterlichen Altarretabels verpflichtet; ihm schien lediglich das neu entwickelte Lehrbild von „Gesetz und Gnade“ eingefügt worden zu sein.

Die Tagung thematisiert dagegen erstmals das komplexe Gesamtprogramm des Retabels und seine inhaltliche und formale Konzeption als Paradigma reformatorischer Dogmen. Das vermeintlich konservative Retabel wird dabei als ein innovatives, theologisch und politisch aufgeladenes Konzept diskutiert. Die interdisziplinären Beiträge wenden sich aus unterschiedlichen Perspektiven der bild- und raumgestalterischen Gesamtkonzeption, den Fragen nach der Wandelbarkeit, der politisch und konfessionell motivierten Stiftungstat sowie unterschiedlichen ikonografischen Einzelaspekten zu.

Die Verschleppung des Retabels im Dreißigjährigen Krieg und seine Restitution im 17. Jahrhundert, seine spätere Fragmentierung und die Inkorporation einiger Tafeln in einen barocken Altarapparat des frühen 18. Jahrhunderts werden dabei ebenso erörtert wie die gestalterischen Entscheidungen, die mit der Wiedererrichtung des Retabels nach Behebung der Kriegsschäden im Jahre 1996 getroffen wurden.

Ziel der Tagung ist es, Typik und Besonderheit des Schneeberger Retabels sowie seine wechselvolle Geschichte und Rezeption schärfer als bisher geschehen zu umreißen. Dass zugleich neue Quellenfunde aus der Entstehungszeit des Retabels vorgestellt und diskutiert werden können, darf als besonderer Glücksfall gelten.

Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: idw Informationsdienst Wissenschaft.

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