Um Ihnen künftig einen noch besseren Service anbieten zu können, konzentriern wir uns derzeit auf eine größere Umstrukturierung. Freuen Sie sich auf ein frisches Layout, mehr Nachrichten und mehr Möglichkeiten zum Mitmachen ab 2011!

Landesverband Hessen des Naturschutzbundes Deutschland

Maikäfer-Ausflug ist natürliches Phänomen - NABU Hessen mahnt mehr Geduld im Umgang mit der Natur an

26.04.2010 / 12:31. Der NABU Hessen zeigt sich erstaunt darüber, dass die geplante Maikäferbegiftung in Pfungstadt noch nicht abgesagt wurde. "Die hessische Umweltministerin Lautenschläger hat einen Gifteinsatz für den Staatswald aus Naturschutzgründen abgelehnt - im Pfungstädter Kommunalwald müssten eigentlich die gleichen Argumente greifen", so Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen. Der vierjährige Maikäferausflug sei ein natürliches Phänomen, das man nicht mit Gewalt bekämpfen sollte. "Es ist ein Fehler, gegen die Rhythmen der Natur zu arbeiten", so Eppler, "auf drei Prozent der Waldfläche des Hessischen Rieds bringt das auch nichts."


Der Biologe Eppler fordert das für die Genehmigung eines Gifteinsatzes zuständige Regierungspräsidium Gießen auf, die Begiftung des Pfungstädter Waldes zu untersagen. "Wenn wir die zukunftsfähige Idee einer nachhaltige Entwicklung ernst nehmen, müssen wir den langfristigen Rhythmen in der Natur Rechnung tragen", erklärt Eppler. Der Waldmaikäfer zeige alle drei bis vier Jahre ein Massenauftreten, um sich erfolgreich vermehren zu können. Nach 30 bis 40 Jahren breche die gesamte Population in einem Gebiet zusammen. "Jetzt im 28. Jahr des langjährigen Zyklus sollten wir mehr Geduld aufbringen und nicht mit der chemischen Keule herumhantieren", so Eppler. Für den Wald seien die Jahre nach dem vollständigen Zusammenbruch der Maikäferbestände die beste Zeit für eine erfolgreiche Naturverjüngung. Bei einer Vergiftung der Maikäfer würden die natürlichen Rhythmen außer Kraft gesetzt und die Maikäferdichte bleibe langfristig auf einem zu hohen Niveau. Auf diese Weise führe ein Gifteinsatz dazu, die durch die Grundwasserabsenkung verursachten Probleme der Riedwälder zu verstärken. "Langfristig verschlechtert der Gifteinsatz die Lage der Bäume also", ist sich Eppler sicher, "der Wald leidet weiter".

Ein aktueller Bericht über die letztjährigen Engerlingsdichten im Waldboden zeige, dass es auch im vierjährigen Rhythmus der Maikäfer-Larven Regulationsmechanismen gebe. So sei die durchschnittliche Engerlingsdichte laut einem aktuellen Bericht für den Umweltausschuss des hessischen Landtages von 2008 auf 2009 im Bereich des Forstamts Lampertheim von 13 auf 5 pro Quadratmeter gesunken. In Groß-Gerau ließ sich eine Verringerung von 5 auf 1 und in Darmstadt von 13 auf 11 feststellen. "Wer mit Extremwerten einzelner Grabungen und Zahlen aus 2008 unnötig Ängste schürt, verlässt das Feld sachlicher Argumentation", zeigt sich Eppler verärgert. Die Abnahme der Engerlinge vom frühen zum späten Larvenstadium sei ein weiteres Anzeichen dafür, dass es keine unendliche Vermehrung der Maikäfer gebe.

"Wir sollen das Ausfliegen der Maikäfer als das sehen, was es ist: Ein alle vier Jahre stattfindendes Naturschauspiel, das es in Hessen nur im Ried gibt. Es dauert nur zwei bis drei Wochen und lockt zahlreiche andere Tiere an, die sich von Maikäfern ernähren", so Eppler. Manche Fledermausarten flögen hunderte Kilometer weit, um sich Anfang Mai einen Festschmaus im Hessischen Ried zu gönnen.

Verantwortlich für den Inhalt dieser Meldung: Landesverband Hessen des Naturschutzbundes Deutschland.

Bookmark and Share



Die beliebtesten Artikel des Tages



Kommentare zu diesem Artikel

Schreiben Sie den ersten Kommentar!